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Wiener Gasometer

Die Wiener Gasometer sind vier historische Gasbehälter im Bezirk Simmering im Südosten Wiens. Sie wurden Ende des 19. Jahrhunderts zur Speicherung von Stadtgas errichtet und sind heute ein ungewöhnliches Beispiel für den Erhalt industriellen Erbes. Hinter den ehemaligen Ziegelfassaden befinden sich Wohnungen, Geschäfte, Restaurants, Büros, ein Studentenwohnheim und Veranstaltungsräume.

Das Besondere an der Anlage ist die Verbindung historischer Industriearchitektur mit modernen Innenräumen. Anstatt die Gebäude abzureißen, entschied sich die Stadt dafür, ihre historische Hülle zu erhalten und neu zu nutzen. Gasometer City ist deshalb sowohl für Architekturinteressierte als auch für Besucher spannend, die eine andere Seite Wiens kennenlernen möchten.

Geschichte der Wiener Gasometer

Die vier Gasbehälter wurden zwischen 1896 und 1899 als Teil des städtischen Gaswerks Simmering errichtet. Sie speicherten Stadtgas, bevor es in das Verteilungsnetz eingespeist wurde. Jeder Behälter hatte ein Fassungsvermögen von etwa 90.000 Kubikmetern. Damals wurde Gas für die Straßenbeleuchtung, zum Heizen und im Haushalt verwendet.

Der Bau des städtischen Gaswerks hing mit dem Wachstum Wiens und dem Wunsch der Stadt zusammen, die Energieversorgung selbst zu organisieren. Zuvor hatte die britische Imperial Continental Gas Association (ICGA) eine wichtige Rolle bei der Versorgung gespielt. Mit dem eigenen Gaswerk konnte Wien seine kommunale Infrastruktur unter städtischer Kontrolle ausbauen.

Zwischen 1969 und 1978 stellte Wien schrittweise von Stadtgas auf Erdgas um. Die alten Gasbehälter wurden überflüssig und in den 1980er-Jahren endgültig außer Betrieb genommen. Anders als viele vergleichbare Industrieanlagen blieben die vier Gasometer in Simmering erhalten und wurden 1981 unter Denkmalschutz gestellt.

Vom Industriegelände zur Gasometer City

Nach der Stilllegung musste eine neue Nutzung für die riesigen Gebäude gefunden werden. Verschiedene Vorschläge wurden geprüft, bevor in den 1990er-Jahren ein gemischt genutztes Stadtviertel beschlossen wurde. Der Hauptumbau erfolgte von 1999 bis 2001. Die ersten Bewohner zogen im Frühjahr 2001 ein, die offizielle Eröffnung fand im Herbst statt.

An dem Projekt arbeiteten vier Architektenteams: Jean Nouvel gestaltete Gasometer A, Coop Himmelb(l)au Gasometer B, Manfred Wehdorn Gasometer C und Wilhelm Holzbauer Gasometer D. Jeder Architekt entwickelte eine eigene Lösung. So bilden die vier Gebäude ein zusammengehöriges Ensemble, unterscheiden sich jedoch in ihrer inneren Gestaltung.

Das wichtigste Prinzip war, die historischen Ziegelwände zu erhalten und die Innenräume an moderne Anforderungen anzupassen. Neue Konstruktionen, Wohnungen und Gemeinschaftsbereiche wurden in die alten Gebäude integriert. Das Projekt gilt als Beispiel für die Umnutzung industriellen Erbes statt Abriss und Neubau.

Architektur der vier Gasometer

Jeder Gasometer ist ein großer zylindrischer Bau mit einer äußeren Ziegelhülle und einem Kuppeldach. Die Gebäude sind etwa 72,5 Meter hoch und haben einen Innendurchmesser von ungefähr 60 bis 63 Metern. Ihre markante Silhouette und das rotbraune Mauerwerk verleihen der Anlage einen unverwechselbaren historischen Charakter.

Bei der Umgestaltung blieben die Außenwände weitgehend erhalten, während die Innenräume neu organisiert wurden. Moderne Wohn- und Gemeinschaftsbereiche liegen innerhalb der historischen Hülle. Besonders interessant ist der Kontrast zwischen massivem Ziegelmauerwerk und neuen Elementen aus Glas, Metall und Beton.

Die vier Gasometer unterscheiden sich in ihrer Architektur und Nutzung. Die Anlage umfasst Wohnungen, Geschäftsräume, Büros und öffentliche Bereiche. In einem Gebäude befindet sich eine große Konzerthalle, ein anderes beherbergt Teile des Wiener Stadt- und Landesarchivs. Diese Mischung macht Gasometer City zu einem lebendigen Stadtviertel und nicht nur zu einem Denkmal der Vergangenheit.

Was befindet sich im Inneren?

Die Gasometer bilden ein gemischt genutztes Viertel mit Wohnungen, Arbeitsplätzen, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangeboten. Zur Anlage gehören Apartments, ein Studentenwohnheim, Geschäfte, Cafés, Restaurants und Büros. Außerdem gibt es ein Kino und Veranstaltungsräume für Konzerte und andere Events.

Die Konzerthalle im Gasometer B ist für Musikveranstaltungen und größere Events bekannt. Je nach Programm finden dort Konzerte, Shows und andere kulturelle Veranstaltungen statt. Die Kapazität hängt von der jeweiligen Bestuhlung und Nutzung ab; Informationen zu einer konkreten Veranstaltung sollten daher beim Veranstalter geprüft werden.

Die Gasometer zeigen, wie ein ehemaliger Industriestandort für das moderne Leben genutzt werden kann. Die historischen Gebäude haben ihr unverwechselbares Erscheinungsbild bewahrt und sind heute Teil eines Wohnviertels. Allerdings sind nicht alle Innenbereiche öffentlich zugänglich: Wohnungen und bestimmte Arbeitsbereiche sind privat.

Die Wiener Gasometer im Film

Bekannt wurden die Gasometer auch durch das Kino. Im James-Bond-Film Der Hauch des Todes (The Living Daylights, 1987) dienten sie als eindrucksvolle Kulisse mit industriellem Charakter. Ihre monumentalen Ziegelbauten passten zur dramatischen Atmosphäre des Films.

Nach dem Ende der industriellen Nutzung fanden in den Gebäuden auch Ausstellungen, Musikveranstaltungen und Partys statt. Die großzügigen Räume und die ungewöhnliche Architektur zogen Veranstalter an, und die Anlage entwickelte sich zu einer bekannten Sehenswürdigkeit Wiens.

Besuch der Wiener Gasometer

Die Gasometer befinden sich in Simmering, dem 11. Wiener Gemeindebezirk. Am einfachsten erreicht man sie mit der U-Bahn-Linie U3 bis zur Station Gasometer. Der Bahnhof liegt direkt neben der Anlage, sodass die Gebäude in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar sind.

Die Außenfassaden lassen sich bei einem Spaziergang durch das Viertel besichtigen. Geschäfte und öffentliche Bereiche können entsprechend den Öffnungszeiten und Regeln der jeweiligen Einrichtungen besucht werden. Wohnungen und gesperrte Gebäudeteile sind nicht frei zugänglich. Wer die Innenarchitektur näher kennenlernen möchte, sollte vorab prüfen, ob Führungen oder öffentliche Veranstaltungen angeboten werden.

Vor dem Besuch empfiehlt es sich, die Öffnungszeiten von Geschäften, Kino und Konzerthalle zu prüfen, besonders wenn eine bestimmte Veranstaltung geplant ist. Die Gasometer lassen sich gut in einen Spaziergang durch weniger touristische Teile Wiens einbauen oder gezielt wegen ihrer Architektur und Industriegeschichte besuchen.

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