Das Grab des Tutanchamun gehört zu den berühmtesten archäologischen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts und ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Tal der Könige bei Luxor. Es wurde am 4. November 1922 von der Expedition des britischen Archäologen Howard Carter entdeckt, die Lord Carnarvon finanziell unterstützte. Anders als viele andere ägyptische Königsgräber, die bereits in der Antike geplündert worden waren, blieb KV62 weitgehend erhalten und enthielt Tausende Gegenstände für das Leben des Königs im Jenseits.
Wer war Tutanchamun?
Tutanchamun war ein Pharao der 18. Dynastie und herrschte im 14. Jahrhundert v. Chr. über Ägypten. Er bestieg den Thron als Kind und starb ungefähr im Alter von 18 oder 19 Jahren. Die genauen Umstände seines Todes sind bis heute umstritten. Während seiner Regierungszeit wurden die traditionellen ägyptischen Kulte wiederhergestellt, nachdem unter Echnaton der Aton-Kult gefördert worden war. Zunächst trug der junge König den Namen Tutanchaton, später wurde daraus Tutanchamun. Seine heutige Berühmtheit verdankt er vor allem dem außergewöhnlich gut erhaltenen Grab.
Howard Carters Entdeckung
Howard Carter suchte jahrelang im Tal der Könige nach einem königlichen Grab, das von größeren Plünderungen verschont geblieben war. Am 4. November 1922 entdeckten Arbeiter Stufen, die in den Fels hinabführten. Das Team fand einen versiegelten Eingang und legte den Gang vorsichtig frei. Nach Lord Carnarvons Ankunft in Ägypten konnten die Archäologen die Grabkammern öffnen. Die Bergung und Dokumentation der Funde dauerte mehrere Jahre, da jeder Gegenstand registriert, fotografiert und konserviert werden musste.
Aufbau des Grabes
KV62 besteht aus einer Eingangstreppe, einem absteigenden Korridor, einer Vorkammer, einem Nebenraum, der Grabkammer und der Schatzkammer. Die Räume sind vergleichsweise klein, und die Gegenstände waren dicht gepackt. Die Grabkammer ist der wichtigste dekorierte Raum. In ihrer Mitte stand ein steinerner Sarkophag mit mehreren ineinander geschachtelten Begräbnisstrukturen. Mehrere vergoldete Schreine umgaben den inneren Sarg mit der Mumie des Königs und boten symbolischen wie materiellen Schutz.
Die goldene Maske und die Schätze
Das bekannteste Fundstück ist die goldene Totenmaske Tutanchamuns. Sie zeigt den König mit dem Nemes-Kopftuch, einem künstlichen Bart sowie den königlichen Symbolen Kobra und Geier auf der Stirn. Farbige Einlagen schmücken die Goldoberfläche. Die Maske bedeckte den Kopf der Mumie und sollte göttlichen Schutz im Jenseits gewährleisten. Weitere Funde waren Schmuck, Goldobjekte, Gefäße, Kleidung, Sandalen, Kosmetik, Möbel, Betten, Streitwagen, Bögen, Pfeile, Dolche und Ritualgegenstände. Je nach Zählweise wurden etwa fünftausend Objekte oder Objektgruppen erfasst.
Die Mumie und die Jenseitsvorstellungen
In der Grabkammer stand ein äußerer Sarkophag aus Quarzit, dessen Ecken mit schützenden Göttinnen geschmückt waren. Darin lagen mehrere ineinander geschachtelte Särge, darunter der berühmte innere Goldsarg. Die Mumie war in Leinenbinden gehüllt und mit zahlreichen Grabamuletten versehen. Die Wandmalereien zeigen Bestattungsrituale, den König zusammen mit Gottheiten und Szenen seines Übergangs ins Jenseits. Eine Darstellung zeigt seinen Nachfolger Ay beim Mundöffnungsritual, das dem Verstorbenen symbolisch die Fähigkeit zu atmen, zu sprechen und Nahrung aufzunehmen zurückgeben sollte.
Der Fluch des Pharaos
Nach der Entdeckung verbreiteten Zeitungen Geschichten über einen angeblichen Fluch Tutanchamuns. Die Legende gewann an Aufmerksamkeit, nachdem Lord Carnarvon 1923 gestorben war. Für einen übernatürlichen Fluch gibt es jedoch keine verlässlichen Belege. Berichte über rätselhafte Todesfälle unter den Expeditionsteilnehmern wurden übertrieben, und viele Beteiligte lebten noch jahrzehntelang. Die Geschichte gehört zur Populärkultur, ist aber kein gesicherter historischer Fakt.
Archäologische Bedeutung und Besuch
Die Entdeckung von KV62 veränderte die Erforschung königlicher Gräber im alten Ägypten. Entscheidend waren nicht nur Gold und Schmuck, sondern auch die genaue Dokumentation Tausender Gegenstände und ihrer ursprünglichen Positionen. Das Grab liegt im Tal der Könige am westlichen Nilufer gegenüber dem heutigen Luxor. Besucher können die unterirdischen Räume, den Sarkophag und erhaltene Wandmalereien sehen, während viele Schätze in Museen aufbewahrt werden. Eintrittsbedingungen, Preise und Fotoregeln können sich ändern; deshalb sollte man vor dem Besuch offizielle Informationen prüfen.
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