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Peterhof

Peterhof ist eine Palast- und Parkanlage am Südufer des Finnischen Meerbusens, etwa 30 Kilometer westlich des Zentrums von Sankt Petersburg. Wegen seiner prächtigen Paläste, geometrisch angelegten Gärten, Kaskaden und Brunnen wird Peterhof oft als russisches Versailles bezeichnet. Besonders bemerkenswert ist das historische Wassersystem, das zahlreiche Brunnen mithilfe der Schwerkraft betreibt.

Geschichte von Peterhof

Die erste urkundliche Erwähnung Peterhofs stammt aus dem Jahr 1705. Der Name geht auf einen niederländischen Ausdruck zurück, der „Peters Hof“ bedeutet. Peter der Große plante die Anlage als repräsentative Sommerresidenz an der Ostsee, nachdem Russland im Großen Nordischen Krieg Zugang zur Ostsee gewonnen hatte. Der Bau begann 1714, und der Zar beteiligte sich selbst an der Planung. Zu den frühen Architekten gehörten Johann Friedrich Braunstein, Jean-Baptiste Le Blond und Niccolò Michetti. Francesco Bartolomeo Rastrelli prägte später das barocke Erscheinungsbild des Großen Palastes.

Die feierliche Präsentation der Residenz fand am 15. August 1723 statt. Zu diesem Zeitpunkt waren der Untere Park, der Seekanal und Teile der Brunnenanlage bereits angelegt; auch die Paläste Monplaisir und Marly bestanden schon. Spätere Herrscher erweiterten und veränderten das Ensemble weiter.

Der Große Palast

Der Große Peterhofer Palast bildet das architektonische Zentrum der Anlage. Seine Fassade erstreckt sich über fast 300 Meter oberhalb des Unteren Parks und verbindet den Oberen Garten mit Kaskaden, Alleen und Brunnen. Ursprünglich stand hier ein bescheidenes zweigeschossiges Gebäude, die sogenannten Oberen Kammern. Mitte des 18. Jahrhunderts beauftragte Kaiserin Elisabeth Rastrelli mit einem umfassenden Umbau, der dem Palast sein monumentales russisch-barockes Aussehen verlieh.

Im Inneren befinden sich Prunksäle, Galerien und Empfangsräume mit vergoldeten Schnitzereien, Spiegeln, Stuck, bemalten Decken und kunstvollen Parkettböden. Zu den bekanntesten Räumen zählen der Tanzsaal, der Tschesme-Saal und der Thronsaal. Ihre Gestaltung zeigt den Wandel des höfischen Geschmacks von üppigem Barock zu zurückhaltenderen klassischen Formen.

Die Große Kaskade und der Samsonbrunnen

Die Große Kaskade führt von der Südfassade des Palastes hinunter zum Seekanal. Sie besteht aus Wasserstufen, vergoldeten Skulpturen, Marmorfiguren und dekorativen Becken. Im Zentrum steht der Samsonbrunnen, der den biblischen Helden zeigt, wie er das Maul eines Löwen aufreißt. Das Motiv wird traditionell als Symbol für den russischen Sieg im Großen Nordischen Krieg gedeutet.

Die ursprüngliche Skulptur ging im Zweiten Weltkrieg verloren. Eine neue Fassung wurde anhand historischer Fotografien und Archivmaterialien rekonstruiert und 1947 eingeweiht. Der Seekanal verlängert die Sichtachse bis zum Finnischen Meerbusen und verbindet Palast, Wasser und Meereslandschaft.

Brunnen und Unterer Park

Der Untere Park umfasst etwa 102,5 Hektar und folgt den Prinzipien des französischen Barockgartens mit geraden Alleen, Symmetrie und sorgfältig geplanten Sichtachsen. Das historische Wassersystem nutzt Höhenunterschiede und Zuleitungskanäle, sodass viele Brunnen durch Schwerkraft funktionieren. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die Römischen Brunnen, der Pyramidenbrunnen, die Kaskade Goldener Berg, die Adam- und Eva-Brunnen sowie sogenannte Spaßbrunnen, die Hofgäste überraschend mit Wasser bespritzten.

Der Park ist in einen zentralen Bereich sowie die Abschnitte Marly und Monplaisir gegliedert. Der Eremitage-Pavillon wurde für kleine Hofgesellschaften und private Mahlzeiten geschaffen und folgt einer europäischen Tradition abgeschiedener Gartenpavillons.

Oberer Garten, Monplaisir und Marly

Der Obere Garten umfasst ungefähr 15 Hektar und liegt vor dem Großen Palast. Zur Zeit Peters des Großen hatte er sowohl eine repräsentative als auch eine praktische Funktion: Hier wurden Gemüse, Obst, Kräuter und Heilpflanzen angebaut. Die Teiche dienten zugleich als Wasserreservoirs für die Brunnen des Unteren Parks.

Monplaisir bedeutet auf Französisch „mein Vergnügen“ und war eng mit Peter dem Großen verbunden. Der kleinere, intimere Palast liegt nahe am Finnischen Meerbusen. Der Marly-Palast im westlichen Teil des Unteren Parks wurde nach dem Vorbild kleiner Landsitze europäischer Monarchen gestaltet.

Zerstörung und Wiederaufbau

Nach der Revolution von 1917 wurde Peterhof zu einem staatlichen Museumskomplex. Die erste öffentliche Führung durch den Großen Palast fand 1918 statt. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Paläste, Skulpturen und Gärten durch Besatzung und Kämpfe schwer beschädigt. Nach der Befreiung des Gebiets 1944 begann der Wiederaufbau. Der rekonstruierte Samsonbrunnen wurde 1947 eröffnet, und 1958 war das Gebäude des Großen Palastes wiederhergestellt. Die Restaurierung stützte sich auf Archive, Fotografien und erhaltene Fragmente.

Peterhof und die UNESCO

1990 wurde Peterhof als Teil der Welterbestätte „Historisches Zentrum von Sankt Petersburg und zugehörige Ensembles“ in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Die Bedeutung der Anlage beruht auf ihrer kaiserlichen Architektur, der historischen Landschaftsplanung, den Skulpturen und der Verbindung von Wassertechnik und Kunst.

Anreise und beste Reisezeit

Peterhof liegt im Stadtbezirk Petrodworez von Sankt Petersburg. Vom Baltischen Bahnhof fährt eine Vorortbahn bis Nowy Peterhof; von dort geht es mit dem Bus oder zu Fuß weiter. Auch Busse und Minibusse verbinden das Gebiet mit Metrostationen. Während der Schifffahrtssaison verkehren schnelle Tragflügelboote, sogenannte Meteors, vom Stadtzentrum zum Anleger im Unteren Park.

Für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sollte man einen ganzen Tag einplanen. Die beliebteste Zeit ist die Brunnensaison vom Frühjahr bis zum frühen Herbst. Im Winter sind die Brunnen ausgeschaltet und einzelne Bereiche können andere Öffnungszeiten haben. Aktuelle Zeiten, Eintrittskarten und Termine für den Brunnenbetrieb sollten vor dem Besuch auf der offiziellen Website geprüft werden.

Peterhof ist nicht nur eine Ansammlung schöner Gebäude und Brunnen, sondern eine zusammenhängende historische Landschaft, in der kaiserliche Ambitionen, europäische Kunst, ausgeklügelte Wassertechnik und die Wiederherstellung des im Krieg beschädigten Kulturerbes aufeinandertreffen.

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