Die Laguna Verde ist ein hoch gelegenes Salzgewässer im Südwesten Boliviens, im Departamento Potosí nahe der Grenze zu Chile. Sie liegt in den Anden innerhalb des Nationalen Andenfauna-Reservats Eduardo Avaroa und ist für ihre wechselnde Wasserfarbe bekannt, die von Türkis bis zu kräftigem Smaragdgrün reicht. Im Hintergrund erhebt sich der nahezu kegelförmige Vulkan Licancabur.
Der See liegt auf etwa 4.300 bis 4.400 Metern über dem Meeresspiegel. Die Umgebung ist rau: Die Luft ist dünn, die Temperaturen schwanken stark, und kräftige Winde treffen auf eine fast vegetationslose Vulkanlandschaft. Die Laguna Verde zählt zu den bekanntesten Naturattraktionen im Süden Boliviens und ist ein häufiger Halt auf mehrtägigen Reisen über das Altiplano.
Warum das Wasser grün ist
Laguna Verde bedeutet auf Spanisch „grüne Lagune“. Die ungewöhnliche Färbung hängt mit einer hohen Konzentration gelöster und schwebender Mineralien sowie der Zusammensetzung des Sediments zusammen. Unter bestimmten Bedingungen wirkt das Wasser türkis; wenn der Wind den Bodensatz aufwirbelt, kann es tiefgrün oder smaragdgrün erscheinen.
Die Farbe verändert sich mit dem Sonnenlicht, der Bewölkung, dem Zustand der Wasseroberfläche und der Bewegung mineralischer Partikel. Deshalb kann der See morgens anders aussehen als am Nachmittag. Bei starkem Wind bilden Wellen und helle Schaumstreifen einen auffälligen Kontrast zu den dunklen Vulkanhängen.
Wegen der mineralischen Zusammensetzung ist das Wasser nicht zum Trinken oder Baden geeignet. Vermeiden Sie es auch, Sediment zu sammeln oder unnötig mit dem Wasser in Kontakt zu kommen.
Der Vulkan Licancabur
Das prägende Element der Landschaft ist der Vulkan Licancabur, der am See an der Grenze zwischen Bolivien und Chile liegt. Sein fast symmetrischer Kegel erhebt sich über dem Hochplateau und kontrastiert mit dem grünen Wasser und den hellen Mineralablagerungen am Ufer. Seine Höhe beträgt ungefähr 5.900 Meter, wobei veröffentlichte Angaben leicht voneinander abweichen.
Licancabur ist ein Stratovulkan mit einem Krater auf dem Gipfel. Frühere vulkanische Aktivität formte die Umgebung, in der Lavagestein, vulkanische Hänge und weite steinige Wüstenflächen zu finden sind. Bei klarem Wetter hebt sich der Gipfel deutlich vom Himmel ab.
Der Berg besitzt auch kulturelle Bedeutung für die Andenvölker. In vorspanischer Zeit galten hohe Berge als heilige Orte; auf einigen Gipfeln wurden archäologische Spuren ritueller Aktivitäten gefunden. Eine Besteigung des Licancabur erfordert wegen Höhe, Kälte und dünner Luft eine gründliche Vorbereitung.
Laguna Blanca und die Umgebung
Die Laguna Blanca, also „weiße Lagune“, liegt nicht weit von der Laguna Verde entfernt. Ihre Farbe hängt mit den Mineralien im Wasser zusammen. Gemeinsam bilden die beiden Seen eine der bekanntesten Landschaften des Eduardo-Avaroa-Reservats.
Die Umgebung wirkt beinahe außerirdisch: kahle Vulkanhänge, steinige Ebenen, Mineralablagerungen und Hochgebirgswüste prägen das Bild. Die spärliche Vegetation ist an Kälte, intensive Sonneneinstrahlung, Wind und geringe Feuchtigkeit angepasst. Vor diesem zurückhaltenden Farbhintergrund wirkt das Grün des Sees besonders kräftig.
Natur und Klima
Die Laguna Verde liegt in einem Hochgebirgsökosystem mit rauem Klima. Tagsüber kann die Sonne intensiv sein, doch nach Sonnenuntergang fällt die Temperatur schnell. Starker Wind verstärkt das Kältegefühl, und nachts sind Frosttemperaturen möglich.
Im weiteren Altiplano leben Vikunjas, Guanakos, Andenfüchse und verschiedene Vogelarten. Direkt am stark mineralisierten See sind die Lebensbedingungen jedoch schwierig, weshalb die Tierwelt dort begrenzt ist.
Anreise
Der See liegt in einem abgelegenen Teil des Departamentos Potosí und ist nicht mit regelmäßigem öffentlichem Nahverkehr erreichbar. Am häufigsten wird er im Rahmen einer organisierten Geländewagentour besucht. Die Touren starten meist in Uyuni oder Tupiza und führen zu mehreren Naturattraktionen des Altiplano.
Eine Reise ab Uyuni dauert häufig drei oder vier Tage und kann den Salar de Uyuni, farbige Lagunen, ungewöhnliche Felsformationen und geothermische Gebiete einschließen. Auch organisierte Touren von der chilenischen Atacama-Region können möglich sein; Routen und Grenzformalitäten sollten vorab geklärt werden.
Beste Reisezeit
Reisen durch den Südwesten Boliviens werden oft für die Trockenzeit von ungefähr Mai bis Oktober geplant. Dann fällt gewöhnlich weniger Niederschlag, allerdings sind die Nächte sehr kalt und der Wind kann heftig sein. Während der Regenzeit können einige Straßen schwer passierbar werden.
Die Farbe des Wassers hängt nicht nur von der Jahreszeit, sondern auch von Licht, Wolken und Wind ab. Ein bestimmter Farbton zu einer bestimmten Uhrzeit lässt sich nicht garantieren.
Reisevorbereitung
Nehmen Sie warme Kleidung in mehreren Schichten, eine wind- und wasserdichte Jacke, Handschuhe, eine Mütze, Sonnenbrille und Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor mit. Die UV-Strahlung ist in dieser Höhe besonders intensiv. Ausreichend sicheres Trinkwasser und eine persönliche Reiseapotheke sind ebenfalls wichtig.
Ein schneller Aufstieg kann Höhenkrankheit auslösen. Kopfschmerzen, Übelkeit, starke Schwäche und Schwindel sollten ernst genommen werden. In abgelegenen Gebieten gibt es nur wenige Geschäfte, Tankstellen und medizinische Einrichtungen. Prüfen Sie deshalb Fahrzeug, Kraftstoff, Kommunikationsmöglichkeiten und Vorräte vor der Abfahrt.
Besucherregeln
Die Laguna Verde liegt im Nationalen Andenfauna-Reservat Eduardo Avaroa. Halten Sie sich an die Regeln des Schutzgebiets, nehmen Sie Ihren Müll wieder mit, beschädigen Sie keine Mineralformationen und stören Sie keine Tiere. Betreten Sie den See nicht und trinken Sie sein Wasser wegen der hohen Mineralisierung und möglicher gefährlicher Stoffe nicht.
Die Laguna Verde ist ein Ort zum Beobachten und Fotografieren, nicht zum Baden. Die ungewöhnliche Verbindung von Mineralwasser, Vulkanlandschaft und rauer Andennatur macht sie zu einem der eindrucksvollsten Stopps auf einer Reise über das bolivianische Altiplano.
Galerie

