Die Schatzkammer des Deutschen Ordens ist ein kleines Museum im historischen Zentrum Wiens. Sie bewahrt Kunstwerke, zeremonielle Gegenstände und historische Zeugnisse aus der jahrhundertelangen Geschichte des geistlichen Ritterordens. Die Sammlung befindet sich im Deutschordenshaus in der Singerstraße, unweit des Stephansdoms. Sie vermittelt Einblicke in die Kunsttraditionen des Ordens, die Kultur des europäischen Adels und Gegenstände, die bei religiösen Riten und festlichen Zeremonien verwendet wurden.
Geschichte des Deutschen Ordens und seiner Schatzkammer
Der Deutsche Orden entstand Ende des 12. Jahrhunderts während der Kreuzzüge. Zu seinen frühen Aufgaben gehörte die Unterstützung von Kranken und Pilgern. Später entwickelte er sich zu einer religiös-militärischen Organisation, die in der Geschichte Mittel- und Osteuropas eine bedeutende Rolle spielte. Der Orden besteht bis heute und widmet sich unter anderem religiösen, sozialen und karitativen Aufgaben.
Die Geschichte der Schatzsammlung reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. 1525 trat Hochmeister Albrecht von Brandenburg aus dem Orden aus, und der ältere Schatz in Königsberg wurde sein Privateigentum. Danach baute der Orden schrittweise eine neue Sammlung auf, die von aufeinanderfolgenden Hochmeistern und anderen Mitgliedern erweitert wurde. Zu den Beständen gehören Geschenke, kunsthandwerkliche Arbeiten und Gegenstände, die in verschiedenen Ländern erworben wurden.
Anfang des 19. Jahrhunderts gelangte die Schatzkammer während der Napoleonischen Kriege und der politischen Veränderungen in den deutschen Ländern nach Wien. 1938 wurde die Sammlung von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und 1949 an den Orden zurückgegeben. Seit 1957 ist die Schatzkammer als Museum öffentlich zugänglich. Nach einer umfassenden Renovierung wurde sie 2006 wiedereröffnet.
Was es in der Schatzkammer zu sehen gibt
Die Sammlung umfasst vor allem Objekte aus dem 16. bis 19. Jahrhundert und spiegelt die Kunstauffassung verschiedener Epochen wider. Zu den Höhepunkten zählen Ordensinsignien, Brust- und Halskreuze, zeremonielle Gegenstände, Siegel, Medaillen und Münzen. Die Symbole des Ordens, darunter das schwarze Kreuz auf weißem Grund, verdeutlichen seine historische Identität.
Weitere Ausstellungsstücke sind prächtig verzierte Kelche, Gold- und Silberarbeiten, Kristall sowie festliches Tafelgeschirr. Die Sammlung umfasst auch Gegenstände aus verschiedenen Kulturen, darunter orientalische Waffen und Objekte aus ungewöhnlichen Materialien. Sie zeugen von den internationalen Verbindungen des Ordens und dem Interesse seiner Führung an außergewöhnlichen Kunstwerken.
Zu sehen sind außerdem religiöse Gegenstände, Altarbilder, Porträts von Hochmeistern, Uhren und andere Beispiele des Kunsthandwerks. Besonders ungewöhnlich sind sogenannte „Natternzungen“ – Fossilien, die früher für Teile sagenhafter Wesen gehalten wurden und als Schutz vor Vergiftungen gelten sollten. Sie zeigen, wie sich frühere Naturvorstellungen mit Glaubensvorstellungen und medizinischen Praktiken ihrer Zeit verbanden.
Das Deutschordenshaus und Mozart
Die Schatzkammer befindet sich in der historischen Wiener Residenz des Deutschen Ordens. Das Gebäude ist nicht nur mit der Geschichte der Rittergemeinschaft, sondern auch mit dem Musikleben der Stadt verbunden. Wolfgang Amadeus Mozart wohnte 1781 für eine gewisse Zeit hier, als er im Dienst des Salzburger Fürsterzbischofs stand. Ein Museumsbesuch lässt sich daher gut mit einem Spaziergang zu weiteren historischen Orten Wiens verbinden.
Anreise und Planung des Besuchs
Adresse: Singerstraße 7, 1010 Wien. Die nächste U-Bahn-Station ist Stephansplatz, an der die Linien U1 und U3 halten. Das Deutschordenshaus ist von dort in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar; der Stephansdom liegt ganz in der Nähe.
Öffnungszeiten und Besuchsbedingungen können sich je nach Saison ändern. Vor dem Besuch empfiehlt es sich, die aktuellen Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Möglichkeiten für Führungen auf der offiziellen Website des Deutschen Ordens zu prüfen. Das kleine Museum mit seiner ungewöhnlichen historischen Sammlung ist ein interessanter Zwischenstopp bei einem Spaziergang durch die Wiener Innenstadt.
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