Das Bestattungsmuseum Wien widmet sich der Geschichte des Bestattungswesens, der Trauerkultur und den Friedhofstraditionen der Stadt. Es befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof und zeigt, wie sich Bestattungsrituale, Bestattungsdienstleistungen und gesellschaftliche Einstellungen zum Tod seit dem späten 18. Jahrhundert verändert haben.
Das Museum verbindet historische Gegenstände mit Fotografien, multimedialen Inhalten und interaktiven Stationen. Die Ausstellung vermittelt nicht nur Wissen über Bestattungszubehör, sondern beleuchtet auch die Stadtgeschichte, gesellschaftliche Bräuche und den besonderen Wiener Humor.
Geschichte des Museums
Das Museum wurde am 14. Juni 1967 am Sitz der städtischen Bestattungsorganisation eröffnet. Anlass war das 60-jährige Bestehen der Organisation. Die Sammlung sollte zunächst den Beruf und die Geschichte des Bestattungswesens vermitteln und entwickelte sich später zu einer eigenständigen kulturhistorischen Ausstellung.
2014 zog das Museum auf den Wiener Zentralfriedhof. Es wurde im Untergeschoss der historischen Aufbahrungshalle 2 eingerichtet, die zuvor als Lagerraum genutzt worden war. Der neue Standort verbindet originale Ausstellungsstücke mit modernen Formen der Wissensvermittlung.
Wiener Bestattungskultur
Ein wichtiger Begriff der Ausstellung ist „schöne Leich“. Gemeint ist damit eine feierliche und sorgfältig organisierte Begräbniszeremonie. Früher konnten aufwendige Begräbnisse den gesellschaftlichen Rang einer Familie unterstreichen, weshalb der letzten Verabschiedung große Bedeutung beigemessen wurde.
Die Wiener Bestattungskultur entwickelte sich unter dem Einfluss religiöser Bräuche, kaiserlicher Zeremonien, städtischer Traditionen und professioneller Bestattungsdienste. Das Museum zeigt, wie sich Vorstellungen von einer würdigen Beisetzung, die Gestaltung von Trauerzügen und die Organisation der Friedhöfe verändert haben.
Was gibt es im Museum zu sehen?
Die Sammlung umfasst mehr als 250 originale Objekte sowie historisches Bildmaterial zum Bestattungswesen. Zu den Exponaten gehören ein historischer Leichenwagen, Trauerkleidung und Uniformen des Personals, Bestattungszubehör sowie Gegenstände, die bei Abschiedszeremonien verwendet wurden.
Besonders ungewöhnlich sind Geräte, die mit der Angst verbunden waren, irrtümlich für tot erklärt und lebendig begraben zu werden. Dazu zählen ein Rettungswecker, mit dem aus einem Sarg ein Signal gegeben werden sollte, sowie spezielle Instrumente, die frühere medizinische Vorstellungen widerspiegeln. Sie zeigen, wie Menschen vor den Fortschritten der modernen Medizin mit der Angst vor dem Tod umgingen.
Die Geschichte des wiederverwendbaren Sarges
Eine bemerkenswerte Episode hängt mit den Reformen Kaiser Josephs II. im 18. Jahrhundert zusammen. 1784 wurde ein neuartiger Klappsarg vorgeschlagen und verwendet. Er ermöglichte es, den Leichnam ins Grab abzusenken, ohne den Sarg selbst mit zu bestatten. Die Idee sollte Holz sparen und die Bestattungspraxis verändern, stieß jedoch auf Widerstand und setzte sich nicht allgemein durch.
Das Beispiel verdeutlicht, dass Bestattungsrituale durch Verwaltungsreformen, wirtschaftliche Überlegungen und gesellschaftliche Überzeugungen geprägt wurden. Das Museum macht die enge Verbindung zwischen Ritualen und Alltagsgeschichte sichtbar.
Standort und Anreise
Das Museum befindet sich unter der Aufbahrungshalle 2 am Wiener Zentralfriedhof, Simmeringer Hauptstraße 234, 1110 Wien. Vom Haupteingang über Tor 2 sind es ungefähr 100 Meter zu Fuß. Das Museum liegt auf der rechten Seite im Untergeschoss des Gebäudes.
Die Haltestelle Zentralfriedhof 2. Tor wird von den Straßenbahnlinien 11 und 71 sowie von Bussen in diesem Bereich bedient. Prüfen Sie vor der Fahrt die aktuellen Verbindungen des öffentlichen Verkehrs.
Öffnungszeiten und Besuch
Laut den offiziellen Angaben ist das Museum für Einzelbesucher mittwochs, donnerstags und freitags von 10:00 bis 16:00 Uhr geöffnet. Während dieser Zeiten finden keine Führungen statt. Gruppenführungen sind nach vorheriger Anmeldung für Gruppen ab 15 Personen möglich. An bestimmten Tagen können Sonderöffnungszeiten gelten; informieren Sie sich deshalb vor dem Besuch auf der offiziellen Website.
Das Bestattungsmuseum ist für alle interessant, die sich für die Geschichte Wiens, lokale Bräuche, Museumssammlungen und ungewöhnliche Aspekte der europäischen Kultur interessieren. Der Besuch lässt sich mit einem Spaziergang über den Zentralfriedhof verbinden, auf dem historische Gräber, Denkmäler und die Grabstätten bekannter österreichischer Persönlichkeiten zu finden sind.
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