Millesgården ist ein Kunstmuseum und Skulpturenpark auf der Insel Lidingö, unweit des Zentrums von Stockholm, der Hauptstadt Schwedens. Dieser besondere Ort verbindet Kunst, Architektur, Gartenkunst und Natur. Die Anlage liegt auf einer Anhöhe und bietet Ausblicke auf die Wasserwege und die Umgebung Stockholms. Ihre Terrassen sind mit Skulpturen, Brunnen, Blumenbeeten und Treppen geschmückt, sodass ein Rundgang zu einer Entdeckungsreise durch Kunstwerke unter freiem Himmel wird.
Millesgården wurde vom Bildhauer Carl Milles und seiner Frau, der Künstlerin Olga Milles, geschaffen. Ursprünglich befanden sich hier ihr Wohnhaus, ihre Ateliers und ihr Garten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Anwesen zu einem umfangreichen Kunstensemble, in dem viele Skulpturen von Carl Milles zwischen Pflanzen und auf offenen Plätzen präsentiert werden. Heute umfasst Millesgården einen Skulpturenpark, das ehemalige Künstlerhaus und eine Kunsthalle mit wechselnden Ausstellungen.
Die Geschichte von Millesgården
Anfang des 20. Jahrhunderts erwarben Carl und Olga Milles ein Grundstück am felsigen Hang von Herserud auf Lidingö. Sie wollten ein Haus errichten, in dem sie wohnen und an ihren Kunstwerken arbeiten konnten. Der Architekt Carl M. Bengtsson entwarf das Gebäude, das 1908 fertiggestellt wurde. Später wurde die Anlage erweitert, unter anderem mit Unterstützung von Evert Milles, Carls Bruder und ebenfalls Architekt.
In den folgenden Jahrzehnten veränderte sich das Gelände schrittweise. Neue Ateliers, Terrassen und Aufstellungsflächen für Skulpturen kamen hinzu. Carl Milles betrachtete den Garten nicht nur als dekorativen Rahmen, sondern als Bestandteil seines künstlerischen Konzepts: Die Anordnung der Werke, Höhenunterschiede, Wasser und Ausblicke sollten ein zusammenhängendes Ganzes bilden. Dadurch wurde Millesgården zu einem der markantesten Beispiele für die Verbindung von Skulptur und Landschaftsgestaltung in Schweden.
1936 wurde Millesgården in eine Stiftung umgewandelt und dem schwedischen Volk geschenkt. So konnten das Haus, die Sammlungen und der Garten als kulturelles Erbe bewahrt werden. Nach der Rückkehr des Ehepaars aus den Vereinigten Staaten in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Anlage weiterentwickelt. Carl Milles starb 1955, doch sein künstlerisches Erbe blieb das Herzstück des Museums.
Carl Milles und seine Skulpturen
Carl Milles (1875–1955) war einer der bekanntesten schwedischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Berühmt wurde er durch monumentale Kompositionen, Brunnen und Figuren, die häufig von Mythologie, Religion und Geschichte inspiriert sind. Seine Werke zeichnen sich durch ausdrucksstarke Posen, Dynamik und ein ausgeprägtes Gefühl für Bewegung aus. Viele Figuren scheinen über dem Boden oder dem Wasser zu schweben und wirken trotz ihrer Größe erstaunlich leicht.
In Millesgården sind zahlreiche Arbeiten des Bildhauers zu sehen, darunter Brunnenkompositionen und Figuren auf hohen Sockeln. Wasser spielt für das Erlebnis des Parks eine wichtige Rolle: Spiegelungen, bewegte Wasserstrahlen und das Plätschern der Brunnen ergänzen die visuelle Wirkung. Besucher können die Werke aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und beobachten, wie sich ihre Wirkung je nach Licht und Umgebung verändert.
Ein wesentliches Merkmal von Milles’ Kunst ist die Verbindung klassischer Traditionen mit einer eigenständigen Fantasie. Er griff antike Erzählungen, mythologische Figuren und Allegorien auf, verlieh ihnen aber einen für seine Zeit unverwechselbaren Ausdruck. Seine Skulpturen lassen sich daher sowohl als Verweise auf die Vergangenheit als auch als eigenständige Kunstwerke verstehen.
Der Skulpturenpark und die Terrassen
Der Skulpturenpark ist der zentrale Teil von Millesgården. Er erstreckt sich über mehrere Ebenen eines Hangs, die durch Treppen und Wege miteinander verbunden sind. Auf den Terrassen stehen Bronze- und andere Skulpturen sowie Brunnen und dekorative Elemente. Die sorgfältige Anordnung lässt den Garten wie eine Abfolge einzelner künstlerischer Szenen erscheinen.
Von den oberen und unteren Terrassen hat man Ausblicke auf die Wasserwege bei Stockholm und die umliegende Landschaft. Die Kombination aus Skulpturen, Blumenbeeten, Bäumen und Wasser schafft eine ruhige Atmosphäre, während einige Kompositionen durch ihre Größe und Dramatik beeindrucken. Es lohnt sich, nicht nur die Kunstwerke zu betrachten, sondern auch ihre Wechselwirkung mit der natürlichen Umgebung wahrzunehmen.
Je nach Jahreszeit verändert sich der Park. Im Frühling und Sommer prägen Grün und Blüten das Bild, im Herbst wechseln die Farben des Laubs, und in den kalten Monaten heben sich die klaren Formen der Skulpturen besonders deutlich vom Himmel und der Winterlandschaft ab. Auch das Licht beeinflusst die Wahrnehmung der Werke, sodass ein Spaziergang selbst für wiederkehrende Besucher neue Eindrücke bieten kann.
Das Wohnhaus von Carl und Olga Milles
Das ehemalige Künstlerhaus eröffnet einen weiteren Blick auf die Geschichte von Millesgården. Die Wohnräume und Ateliers vermitteln noch immer etwas von der Lebens- und Arbeitswelt von Carl und Olga Milles. Besucher können mehr über den Alltag des Ehepaars, den kreativen Prozess und das Umfeld erfahren, in dem die Skulpturen entstanden.
Olga Milles war Künstlerin und ein wichtiger Teil der Geschichte des Anwesens. Auch wenn sich das Interesse vieler Besucher auf Carls monumentale Skulpturen richtet, zeigt das Haus Millesgården nicht nur als Museum, sondern auch als Familienheim, in dem ein kreatives Umfeld entstand. Zur Anlage gehört außerdem Annes Haus, dessen Einrichtung mit den bekannten schwedischen Designern Estrid Ericson und Josef Frank verbunden ist.
Kunsthalle und Ausstellungen
Neben dem historischen Wohnhaus und dem Park verfügt Millesgården über eine Kunsthalle für wechselnde Ausstellungen. Die Themen variieren und können zeitgenössische Kunst, Design, Malerei, Bildhauerei und andere Bereiche umfassen. Das Ausstellungsprogramm stellt eine Verbindung zwischen dem Erbe von Carl Milles und dem heutigen Kunstleben her.
Ein Besuch der Kunsthalle ergänzt den Spaziergang durch den Garten um Werke in Innenräumen. Millesgården ist deshalb nicht nur für Liebhaber klassischer Skulptur interessant, sondern auch für Menschen, die sich für zeitgenössische Kunst interessieren. Zur Anlage gehören außerdem ein Café, ein Restaurant und ein Museumsshop.
Besuch von Millesgården
Millesgården befindet sich in der Herserudsvägen 32 auf Lidingö, nordöstlich des Stockholmer Zentrums. Die Anlage ist von der Stadt aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto erreichbar. Vor dem Besuch empfiehlt es sich, auf der offiziellen Website die aktuellen Öffnungszeiten, Besucherinformationen und Termine der Sonderausstellungen zu prüfen.
Für die Erkundung sollte man mehrere Stunden einplanen, denn die Terrassen, die Skulpturen und das Künstlerhaus verdienen ausreichend Zeit. Der Park liegt an einem Hang und umfasst Treppen, weshalb die Wege zwischen manchen Ebenen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität schwierig sein können. Die Zugänglichkeit der verschiedenen Bereiche sollte im Voraus geprüft werden.
Millesgården gehört zu den interessantesten Orten, um schwedische Kunst außerhalb traditioneller Museumsräume kennenzulernen. Hier werden Kunstwerke zu einem Teil der Landschaft, während Architektur, Wasser und Pflanzen die künstlerische Idee unterstreichen. Der Besuch zeigt, wie sich ein privates Haus mit Garten in einen öffentlichen Kulturort verwandelt hat, der das Erbe von Carl und Olga Milles bewahrt.
Galerie

