Der Dom von Siena, auch Duomo di Siena genannt, ist eine prächtige Kathedrale, die der Aufnahme der Jungfrau Maria in den Himmel geweiht ist. Er befindet sich im historischen Zentrum von Siena in der Toskana und zählt zu den bedeutendsten Denkmälern des mittelalterlichen Italiens. Seine schwarz-weißen Marmorbänder, die reich verzierte Fassade, Skulpturen und der einzigartige Marmorboden machen ihn zu einem architektonischen Wahrzeichen der Stadt.
Geschichte des Doms von Siena
Der Bau der heutigen Kathedrale begann im Mittelalter. Die wichtigsten Bauphasen erstreckten sich vom 12. bis zum 14. Jahrhundert. Der Dom entstand während der Blütezeit der Republik Siena, als die Stadt mit Florenz um politischen und wirtschaftlichen Einfluss konkurrierte. Das Bauwerk sollte den Reichtum Sienas, seine religiöse Bedeutung und das Können seiner Architekten und Künstler zeigen. Die Weihe erfolgte 1179, obwohl die Bau- und Ausstattungsarbeiten danach weitergingen.
Im späten 13. Jahrhundert prägte der Architekt und Bildhauer Giovanni Pisano das Erscheinungsbild der Kathedrale entscheidend. Er leitete die Arbeiten am unteren Teil der Fassade und schmückte ihn mit zahlreichen Skulpturen. In den folgenden Jahrzehnten wurden Innenraum, Kuppel und künstlerische Ausstattung weiterentwickelt.
1339 beschlossen die Behörden Sienas, den Dom erheblich zu erweitern und das bestehende Gebäude in eine wesentlich größere Kirche einzubeziehen. Doch die Pest von 1348, finanzielle Schwierigkeiten und technische Probleme verhinderten die Vollendung. Die erhaltenen Überreste des unvollendeten Anbaus erinnern heute an das Projekt des Neuen Doms.
Fassade und Architektur
Der Dom von Siena ist ein herausragendes Beispiel romanisch-gotischer Architektur. Seine Fassade ist mit weißem Marmor und rötlichen sowie grünlichen Details verkleidet. Giovanni Pisano gestaltete den unteren Teil im späten 13. Jahrhundert, während Camaino di Crescentino den oberen Abschnitt im frühen 14. Jahrhundert entwarf. Skulpturen, Bögen, Fialen, kleine Türme und drei spitze Giebel ergeben eine reich gegliederte, aufstrebende Komposition.
Besonders eindrucksvoll sind die drei Portale mit geschnitzten Säulen und aufwendigem Skulpturenschmuck. Darüber stehen religiöse Figuren. Ein großes rundes Rosenfenster befindet sich im oberen Fassadenbereich, umgeben von gotischen Nischen. Drei goldfarbene Mosaike schmücken die Giebel. Einige Originalskulpturen wurden durch Kopien ersetzt; die authentischen Werke befinden sich in Museen.
Kuppel und Glockenturm
Über dem zentralen Bereich erhebt sich eine charakteristische mehrfarbige Kuppel. Sie ruht auf massiven Pfeilern und zeigt abwechselnd helle und dunkle Elemente. Daneben steht der Glockenturm mit Bändern aus weißem und schwarzem Marmor. Dieser Kontrast ist ein bekanntes Merkmal der Architektur Sienas und findet sich auch an der Fassade und im Innenraum.
Innenraum und Marmorboden
Im Inneren fallen hohe Säulen aus schwarzem und weißem Marmor, rhythmische Bögen und das großzügige Mittelschiff auf. Reihen von skulptierten Büsten schmücken die oberen Wandbereiche. Die zahlreichen Kunstwerke lassen den Dom wie ein großes historisches Museum erscheinen, in dem Architektur, Bildhauerei, Malerei und dekorative Kunst verschiedener Epochen zusammentreffen.
Zu den größten Schätzen gehört der Marmorboden mit 56 figürlichen Feldern, die vom 14. bis zum 19. Jahrhundert in Marmorintarsien- und Graffitotechnik geschaffen wurden. Die Darstellungen zeigen biblische Geschichten, Allegorien, historische Persönlichkeiten und symbolische Szenen. An den Entwürfen waren unter anderem Domenico Beccafumi und Pinturicchio beteiligt. Besonders bekannt ist der Berg der Weisheit nach einem Entwurf Pinturicchios von 1505. Zum Schutz der empfindlichen Kunstwerke bleibt ein großer Teil des Bodens normalerweise abgedeckt und wird nur zu bestimmten Zeiten des Jahres freigelegt.
Die Kanzel von Nicola Pisano
Die im 13. Jahrhundert von Nicola Pisano und seiner Werkstatt geschaffene Marmorkanzel zählt zu den bedeutendsten Werken mittelalterlicher Bildhauerei. Ihre Reliefs zeigen Szenen aus dem Leben Christi und biblische Figuren. Die ausdrucksstarken Gestalten und die anspruchsvolle Formgebung lassen den Einfluss antiker Skulptur erkennen. Die Kanzel gilt als Meilenstein der italienischen Kunst.
Piccolomini-Bibliothek und weitere Schätze
Die Piccolomini-Bibliothek wurde von Kardinal Francesco Todeschini Piccolomini in Auftrag gegeben, der später Papst Pius III. wurde. Ihre Wände sind mit farbenprächtigen Fresken von Pinturicchio und seiner Werkstatt geschmückt, die das Leben von Papst Pius II. darstellen. Intensive Farben, architektonische Details und historische Szenen machen die Bibliothek zu einem der beeindruckendsten Räume des Komplexes.
Zum Domkomplex gehören außerdem das Museo dell'Opera del Duomo, das Baptisterium und eine Krypta mit archäologischen und künstlerischen Funden. Das Museum bewahrt Gemälde, Skulpturen und kirchliche Kunstgegenstände aus der Geschichte der Kathedrale. Ein Rundgang durch die gesamte Anlage vermittelt ein tieferes Verständnis des künstlerischen Erbes von Siena.
Der unvollendete Neue Dom
In der Nähe der Kathedrale befinden sich die Reste des ehrgeizigen Erweiterungsprojekts aus dem 14. Jahrhundert. Die Bauherren wollten den ursprünglichen Dom zum Querschiff einer riesigen neuen Kirche machen. Pest, Geldmangel und technische Schwierigkeiten stoppten die Arbeiten Mitte des 14. Jahrhunderts. Der erhaltene Teil heißt Facciatone. Von seiner oberen Aussichtsplattform bietet sich ein Panoramablick auf die Dächer Sienas und die toskanischen Hügel.
Der Dom von Siena heute
Der Dom zählt weiterhin zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Toskana und gehört zum historischen Zentrum Sienas, das 1995 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde. Besucher bewundern Architektur, Skulpturen, Marmorboden und Kunstwerke aus verschiedenen Jahrhunderten. Die Kathedrale steht an der Piazza del Duomo in der Nähe weiterer historischer Denkmäler. Vor dem Besuch empfiehlt es sich, die aktuellen Öffnungszeiten zu prüfen, da der Zugang zu einzelnen Räumen und zum Marmorboden saisonal oder wegen Gottesdiensten eingeschränkt sein kann.
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