Das Haukadalur-Tal gehört zu den bekanntesten Geothermalgebieten Islands. Es liegt im Südwesten des Landes, etwa 100 Kilometer von Reykjavík entfernt. Berühmt ist es für seine Geysire, heißen Quellen, Dampfwolken und ungewöhnlichen Mineralablagerungen. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählen der Große Geysir, der dem Naturphänomen in vielen Sprachen seinen Namen gab, und der aktive Geysir Strokkur, der regelmäßig heißes Wasser in die Luft schleudert.
Die Geysire von Haukadalur
Die geothermische Aktivität von Haukadalur hängt mit vulkanischen Prozessen unter der Oberfläche Islands zusammen. Grundwasser wird durch heißes Gestein erwärmt, Druck baut sich auf und Wasser sowie Dampf treten in regelmäßigen Abständen an die Oberfläche. Auf dem relativ kleinen Gebiet befinden sich zahlreiche heiße Quellen, Dampfaustritte und blubbernde Schlammtümpel.
Das Tal ermöglicht es, geothermische Vorgänge aus nächster Nähe zu beobachten. Das Wasser mancher Quellen erreicht sehr hohe Temperaturen, während Mineralien den Boden weiß, gelb, rötlich oder bläulich färben. Markierte Wege und Aussichtspunkte erleichtern eine sichere Erkundung.
Der Große Geysir
Der Große Geysir, häufig einfach Geysir genannt, ist der historisch berühmteste Geysir des Tals. Sein Name geht auf ein isländisches Verb zurück, das mit Ausbrechen oder schnellem Hervorströmen verbunden ist, und wurde zur Grundlage des internationalen Wortes „Geysir“. Die Quelle trug wesentlich dazu bei, Haukadalur weltweit bekannt zu machen.
Früher konnte der Große Geysir kochendes Wasser viele Dutzend Meter hoch in die Luft schleudern. Seine Aktivität veränderte sich im Laufe der Geschichte: Auf starke Ausbrüche folgten lange Ruhephasen. Heute bricht er nur selten aus, sodass Besucher keine regelmäßigen Fontänen erwarten sollten. Der nahe gelegene Strokkur bietet ein deutlich häufigeres Schauspiel.
Der Geysir Strokkur
Strokkur ist die wichtigste aktive Sehenswürdigkeit des Geothermalgebiets. Er bricht normalerweise alle 5 bis 10 Minuten aus und schleudert eine Wassersäule etwa 15 bis 20 Meter hoch. Besonders starke Ausbrüche können größere Höhen erreichen. Aufgrund seiner häufigen Aktivität zählt Strokkur zu den beliebtesten Naturattraktionen Islands.
Vor einem Ausbruch beginnt das Wasser zu brodeln, und manchmal bildet sich eine bläuliche Kuppel auf der Oberfläche. Augenblicke später hebt sie sich und schießt als Fontäne nach oben, bevor das Wasser in unzählige Tropfen zurückfällt. Beobachten Sie den Geysir aus sicherer Entfernung und beachten Sie die Windrichtung, da heiße Spritzer zum Aussichtspunkt getragen werden können.
Heiße Quellen und Mineralformationen
Neben den berühmten Geysiren gibt es in Haukadalur zahlreiche heiße Quellen, Fumarolen und kleine Schlammtümpel. Einige Becken weisen auffällige Farben auf. Die Quellen von Blesi sind beispielsweise für zwei benachbarte Becken mit bläulichem und milchig weißem Wasser bekannt. Die unterschiedlichen Farben hängen mit den gelösten Mineralien und den Eigenschaften des Wassers zusammen.
Auf dem Boden sind Ablagerungen von Kieselsäure, Schwefel und Eisenverbindungen zu erkennen. Sie bilden ungewöhnliche Muster und farbige Flächen rund um die Quellen. Die Geothermallandschaft verändert sich ständig: Wassertemperatur, Durchfluss und Dampfentwicklung können je nach natürlichen Bedingungen und seismischer Aktivität schwanken.
Die Geschichte des Geothermalgebiets
Die heißen Quellen von Haukadalur sind seit vielen Jahrhunderten bekannt. Einige der frühesten verlässlichen schriftlichen Berichte über das Gebiet stammen aus dem 13. Jahrhundert. Historische Aufzeichnungen beschreiben Veränderungen der Quellen nach Erdbeben, die neue Wege für heißes Wasser öffnen oder bestehende unterirdische Kanäle verändern können.
Im 19. und 20. Jahrhundert schwankte die Aktivität der Geysire wiederholt. Erdbeben konnten Ausbrüche verstärken oder lange Ruhephasen auslösen. Heute interessiert Haukadalur sowohl Besucher als auch Forschende, die Vulkanismus, Geothermalsysteme und die Wechselwirkung zwischen Grundwasser und heißem Gestein untersuchen.
Haukadalur und der Goldene Kreis
Haukadalur gehört zu den wichtigsten Stationen der beliebten isländischen Rundroute Goldener Kreis. Der Besuch wird häufig mit dem Nationalpark Þingvellir und dem Wasserfall Gullfoss kombiniert. Die Fahrt bietet einen abwechslungsreichen Einblick in Natur und Geschichte Islands, von tektonischen Spalten und Orten der parlamentarischen Geschichte bis zu mächtigen Wasserfällen und heißen Quellen.
In der Nähe des Geothermalgebiets befindet sich ein Besucherzentrum mit Ausstellungen, Café, Restaurant, Geschäften und weiteren Einrichtungen. Für einen Rundgang durch den Hauptbereich reichen meist 45 bis 60 Minuten. Wer mehrere Ausbrüche von Strokkur beobachten und weitere Quellen erkunden möchte, kann länger bleiben.
Anreise nach Haukadalur
Das Tal liegt etwa 100 Kilometer von Reykjavík entfernt. Die Fahrt mit dem Auto dauert normalerweise rund anderthalb Stunden, abhängig von Wetter und Straßenverhältnissen. Von der Hauptstadt folgt man der Route des Goldenen Kreises über die Straßen Route 1 und Route 35. Auch organisierte Ausflüge zu mehreren wichtigen Sehenswürdigkeiten im Südwesten Islands werden angeboten.
Das Geothermalgebiet kann zu verschiedenen Jahreszeiten besucht werden. Im Sommer ermöglichen lange Tage ausgedehnte Spaziergänge, während im Winter der Dampf über den heißen Quellen vor der kalten Luft besonders deutlich sichtbar ist. Allerdings können die Wege glatt sein und sich die Wetterbedingungen rasch ändern. Prüfen Sie vor der Fahrt die Wettervorhersage und den Straßenzustand.
Sicherheitshinweise
Das Wasser in Geysiren und heißen Quellen kann nahezu kochend sein. Der Boden in der Umgebung ist teilweise dünn und instabil, weshalb das Verlassen der markierten Wege gefährlich ist. Berühren Sie das Wasser nicht, überqueren Sie keine Absperrungen und nähern Sie sich für Fotos nicht der Öffnung eines Geysirs. Ausbrüche können plötzlich erfolgen und heiße Spritzer schwere Verbrennungen verursachen.
Empfehlenswert sind bequeme Schuhe und windfeste Kleidung. Achten Sie bei der Beobachtung von Strokkur auf die Windrichtung und halten Sie genügend Abstand. Kinder müssen in der Nähe heißer Quellen stets beaufsichtigt werden.
Warum das Haukadalur-Tal besuchen?
Haukadalur bietet einen gut zugänglichen und eindrucksvollen Einblick in ein aktives Geothermalsystem. Besucher können die regelmäßigen Ausbrüche von Strokkur beobachten, mehr über die Geschichte des Großen Geysirs erfahren, farbige Mineralablagerungen betrachten und die Kräfte erleben, die Islands Landschaft formen. Dank seiner Lage am Goldenen Kreis ist das Tal eine wichtige Station für Reisende, die Island erkunden.
Galerie

