Die Wotruba-Kirche, offiziell Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit, ist eine ungewöhnliche katholische Kirche am südwestlichen Stadtrand von Wien. Sie steht auf dem Georgenberg im Stadtteil Mauer im 23. Bezirk Liesing, unweit des Wienerwaldes. Bekannt ist sie für ihre brutalistische Architektur: Massige Betonblöcke sind asymmetrisch angeordnet und erinnern an eine monumentale abstrakte Skulptur.
Das Bauwerk zieht Menschen an, die sich für zeitgenössische Architektur, Kunst und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten in Wien interessieren. Trotz der schweren Betonkonstruktion ist der Innenraum dank großer Glasflächen und unterschiedlich geformter Fenster von Tageslicht erfüllt.
Geschichte der Wotruba-Kirche
Die Idee für den Kirchenbau stammte von Margarethe Ottillinger, einer österreichischen Beamtin und Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. In den 1960er-Jahren setzte sie sich für ein außergewöhnliches Gotteshaus ein, das ein starkes künstlerisches und spirituelles Zeichen setzen sollte. Der Entwurf stammt vom Bildhauer Fritz Wotruba, einem der bekanntesten Vertreter der österreichischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Der Architekt Fritz Gerhard Mayr wirkte an der Planung und architektonischen Umsetzung mit.
Der Bau begann im August 1974 und wurde 1976 abgeschlossen. Wotruba starb 1975, bevor die Kirche geweiht wurde. Die Weihe fand am 24. Oktober 1976 statt. Errichtet wurde das Gotteshaus auf einem Gelände, auf dem während des Zweiten Weltkriegs Militärkasernen standen.
Architektur und Besonderheiten
Die Wotruba-Kirche gilt als eines der ungewöhnlichsten Sakralgebäude Wiens. Ihre Architektur ist dem Brutalismus zuzuordnen, der mit einfachen geometrischen Formen, massiven Konstruktionen und sichtbar belassenen Materialoberflächen arbeitet. Statt einer traditionellen Fassade mit Türmen und reichem Schmuck erwartet die Besucher eine Komposition aus Betonvolumen unterschiedlicher Formen und Größen.
Laut dem offiziellen Wiener Tourismusportal besteht die Kirche aus 135 Betonblöcken, die ohne strenge Symmetrie angeordnet sind. Einzelne Elemente wiegen bis zu 64 Tonnen; das Gesamtgewicht beträgt rund 4.000 Tonnen. Die Blöcke bilden eine komplexe Silhouette, die sich je nach Blickwinkel, Beleuchtung und Umgebung verändert.
Die massive Außenwirkung steht im Kontrast zum hellen Innenraum. Die Fensteröffnungen unterscheiden sich in Höhe und Form, während große Glasflächen Tageslicht hereinlassen. Die Innenausstattung ist bewusst schlicht gehalten, damit Raum, Geometrie und spirituelle Funktion des Gebäudes im Mittelpunkt stehen.
Die Idee von Fritz Wotruba
Fritz Wotruba war in erster Linie Bildhauer, und sein künstlerischer Ansatz prägt die gesamte Kirche. Das Bauwerk wirkt wie eine großformatige räumliche Komposition, in der einzelne Betonelemente ein zusammenhängendes Ganzes bilden. Der Entwurf vermittelt die Vorstellung, dass Einfachheit und der Verzicht auf Luxus eine ausdrucksstarke und spirituell bedeutsame Architektur ermöglichen.
Als eine Inspirationsquelle für das Projekt gilt die Kathedrale von Chartres in Frankreich. Die Wotruba-Kirche übernimmt jedoch nicht die traditionellen Formen gotischer Kirchen, sondern interpretiert sakrale Architektur mit Mitteln moderner Bildhauerei und Gestaltung neu. Anfangs umstritten, wurde sie später zu einem bekannten Wahrzeichen der zeitgenössischen Architektur Wiens.
Was es im Inneren zu sehen gibt
Beim Besuch lohnt es sich, den Kontrast zwischen den schweren Betonblöcken außen und dem natürlichen Licht im Inneren zu beachten. Die unregelmäßige Anordnung der Fenster erzeugt wechselnde Licht- und Schattenwirkungen. Die zurückhaltende Gestaltung lenkt den Blick auf den architektonischen Raum. Im Inneren befinden sich ein Altar und ein Bronzekruzifix.
Von außen sollte man das Gebäude umrunden, um die unterschiedlichen Höhen, vorspringenden Blöcke und ungewöhnlichen Fassadenkompositionen wahrzunehmen. Für Fotografen bieten sowohl die Gesamtsilhouette als auch die Oberflächenstruktur des Betons interessante Motive. Der Besuch lässt sich mit einem Spaziergang durch die grünen Randgebiete Wiens und den nahe gelegenen Wienerwald verbinden.
Lage der Wotruba-Kirche
Adresse: Ottillingerplatz 1, 1230 Wien, Österreich. Die Kirche befindet sich auf dem Georgenberg im Stadtteil Mauer, im 23. Wiener Gemeindebezirk Liesing. In der Nähe liegt der Sterngarten, eine Freiluftplattform, die als Freiluftplanetarium genutzt wird.
Anreise
Vom Wiener Zentrum fährt man mit der U-Bahn-Linie U4 bis Hietzing und steigt dort in die Straßenbahnlinie 60 bis Maurer Hauptplatz um. Von dort fährt der Bus 60A bis zur Haltestelle Kaserngasse. Die Straßenbahnlinie 60 verbindet auch den Bereich Westbahnhof mit Maurer Hauptplatz.
Öffnungszeiten
Nach den veröffentlichten Angaben des offiziellen Wiener Tourismusportals ist die Kirche samstags von 14:00 bis 18:00 Uhr sowie sonntags und an Feiertagen von 9:00 bis 16:30 Uhr geöffnet. Da sich die Zeiten ändern können, empfiehlt sich vor der Anreise ein Blick auf die offizielle Website der Pfarre. Individuelle Führungen lassen sich im Voraus vereinbaren.
Warum sich ein Besuch lohnt
Die Wotruba-Kirche ist ein ungewöhnliches Ausflugsziel für alle, die Wien jenseits der Kaiserpaläste und der historischen Innenstadt kennenlernen möchten. Sie verbindet sakrale Architektur, zeitgenössische Kunst und die markante Geometrie des Brutalismus. Der Besuch eröffnet eine andere Perspektive auf die Stadt und zeigt, wie Beton, Licht und einfache Formen zu einem einprägsamen Bauwerk werden können.
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