Das Naturhistorische Museum Wien zählt zu den bedeutendsten Wissenschaftsmuseen Österreichs und ist eine wichtige Sehenswürdigkeit im historischen Zentrum der Hauptstadt. Seine Sammlungen umfassen rund 20 Millionen Objekte aus den Bereichen Mineralogie, Fossilienkunde, Tierwelt, Menschheitsgeschichte und Erdgeschichte. Zu den bekanntesten Exponaten gehören die Venus von Willendorf, Dinosaurierskelette, seltene Mineralien und eine der größten Meteoritensammlungen in einem Museum.
Geschichte des Museums
Die Geschichte der Sammlungen ist eng mit der Sammelleidenschaft am Habsburgerhof verbunden. Im Jahr 1750 erwarb Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen die Sammlung des Gelehrten und Sammlers Jean de Baillou. Sie umfasste rund 30.000 naturhistorische Objekte, darunter Fossilien, Muscheln, Korallen, Mineralien und Edelsteine. Die Sammlung wuchs stetig, bis ein eigenes Museumsgebäude notwendig wurde.
Im 19. Jahrhundert entstand der Plan, zwei große Museen einander gegenüber am Maria-Theresien-Platz zu errichten: das Naturhistorische Museum und das Kunsthistorische Museum. Den architektonischen Entwurf entwickelten Gottfried Semper und Carl von Hasenauer. Das Naturhistorische Museum wurde 1889 eröffnet. Heute dient es sowohl als Ausstellungshaus als auch als wissenschaftliche Einrichtung.
Architektur des Gebäudes
Das Museum liegt am Maria-Theresien-Platz zwischen der Hofburg und dem MuseumsQuartier. Der monumentale Bau verbindet Historismus mit Elementen der Neorenaissance. Eine große Kuppel krönt den Mittelbau; die Fassaden sind mit Skulpturen, Herrscherbüsten und Darstellungen bedeutender Wissenschaftler geschmückt.
Die Architektur verdeutlicht den Stellenwert von Wissenschaft und Sammelkultur im Europa des 19. Jahrhunderts. Prunkvolle Treppen, großzügige Säle, verzierte Decken und kunstvolle Innenräume machen das Gebäude auch für Architekturinteressierte sehenswert.
Die Venus von Willendorf
Eines der bekanntesten Ausstellungsstücke ist die Venus von Willendorf, eine etwa elf Zentimeter hohe prähistorische Figur. Ihr Alter wird auf rund 29.500 Jahre geschätzt. Sie wurde 1908 in der Wachau in Niederösterreich entdeckt. Die Figur gilt als eines der berühmtesten Werke der altsteinzeitlichen Kunst und als bedeutender archäologischer Fund zur frühen Menschheitsgeschichte.
Welche Funktion die Figur ursprünglich hatte, ist nicht abschließend geklärt. Forschende haben verschiedene Deutungen ihrer symbolischen Bedeutung vorgeschlagen. Deshalb ist sie nicht nur wegen ihres Alters faszinierend, sondern auch wegen der Fragen, die sie aufwirft.
Der Dinosauriersaal
Der Dinosauriersaal gehört besonders bei Familien zu den beliebtesten Bereichen des Museums. Hier werden Skelette und Überreste prähistorischer Tiere gezeigt, die einen Eindruck von der Größe und Vielfalt des Lebens in der fernen Vergangenheit vermitteln. Zu den Exponaten gehört ein Diplodocus-Skelett.
Besondere Aufmerksamkeit erregt ein lebensechtes Modell eines Allosaurus, das sich bewegt und Geräusche erzeugt. Es hilft dabei, sich das mögliche Aussehen eines großen Raubdinosauriers vorzustellen. Begleitende Informationen erklären die Entwicklung der Tiere und die Veränderungen ihrer Umwelt über Millionen von Jahren.
Mineralien und Edelsteine
Die mineralogischen Säle zeigen Kristalle, Erze, Edel- und Halbedelsteine sowie ungewöhnliche geologische Proben aus aller Welt. Die Objekte veranschaulichen die Vielfalt der Mineralien in Farbe, Form, Struktur und Entstehung. Die Sammlung ist sowohl für Fachleute als auch für Besucher interessant, die erfahren möchten, wie Gesteine und Kristalle entstehen.
Der Meteoritensaal
Der Meteoritensaal ist ein weiterer wichtiger Bereich des Museums. Er zeigt Proben kosmischer Materie, die aus dem Weltraum auf die Erde gelangt ist. Die Ausstellung erklärt die Herkunft von Meteoriten und ihre Bedeutung für die Erforschung des Sonnensystems. Besucher können verschiedene Meteoritentypen vergleichen und erfahren, wie Wissenschaftler ihre Zusammensetzung untersuchen.
Weitere Sammlungen
Die Ausstellungen decken zahlreiche naturwissenschaftliche Themen ab. In den zoologischen Sälen sind Tierpräparate zu sehen, darunter seltene und ausgestorbene Arten. Die paläontologischen Sammlungen zeigen Fossilien und die Entwicklung des Lebens, während die anthropologischen Ausstellungen die Herkunft und Evolution des Menschen behandeln.
Auch die Sammlungen von Insekten, Meeresorganismen, Korallen und Muscheln sind sehenswert. Sie veranschaulichen die Vielfalt der Lebewesen und ihre Beziehungen zur Umwelt.
Besuch mit Kindern
Das Naturhistorische Museum Wien eignet sich gut für Familien. Kinder interessieren sich häufig besonders für Dinosaurier, Tiere, Meteoriten und große Mineralien. Für einen entspannten Rundgang durch die wichtigsten Säle sollte man mehrere Stunden einplanen. Bei jüngeren Kindern sind Pausen und eine vorherige Auswahl der interessantesten Bereiche sinnvoll.
Das Museum bietet auch Bildungsprogramme und Führungen an. Termine und der Zugang zu einzelnen Sälen können sich ändern, daher empfiehlt sich ein Blick auf die offizielle Website vor dem Besuch.
Anreise
Das Museum befindet sich am Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien, im Stadtzentrum. Gut erreichbar sind die U-Bahn-Stationen Volkstheater an der Linie U3 und Museumsquartier an der Linie U2. In der Nähe verkehren außerdem Straßenbahnen. Von der Wiener Staatsoper oder dem Stephansdom dauert der Fußweg je nach Route etwa 15 bis 20 Minuten.
Öffnungszeiten und Eintritt
Laut den aktuellen Angaben des Museums ist es von Donnerstag bis Montag von 9 bis 18 Uhr und am Mittwoch von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Dienstag ist normalerweise Ruhetag. Der letzte Einlass erfolgt 30 Minuten vor Schließung. Prüfen Sie vor der Anreise die offizielle Website auf mögliche Ausnahmen.
Der veröffentlichte reguläre Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 18 Euro, der ermäßigte Preis 14 Euro. Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren haben freien Eintritt. Preise und Bedingungen können sich ändern. Für den Besuch sollte man mindestens drei Stunden einplanen, bei ausführlicher Erkundung mehrerer Bereiche auch einen großen Teil des Tages.
Das Naturhistorische Museum Wien vereint Erdgeschichte, Archäologie, Paläontologie, Mineralogie und Zoologie unter einem Dach. Berühmte Exponate, vielfältige Sammlungen und beeindruckende Architektur machen es zu einem der wichtigsten Museen der österreichischen Hauptstadt.
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