Die Schilfrohrflötenhöhle liegt am nordwestlichen Stadtrand von Guilin in der Autonomen Region Guangxi der Zhuang im Süden Chinas. Sie zählt zu den bekanntesten Karsthöhlen der Region und ist für ihre kunstvollen Kalksteinformationen und die farbige Beleuchtung der unterirdischen Räume berühmt. Häufig wird sie als Palast der Naturkunst bezeichnet, weil Stalaktiten, Stalagmiten und Steinsäulen an fantastische Skulpturen erinnern.
Namensursprung und Geschichte
Der Name geht auf Schilfrohr zurück, das in der Umgebung wächst und traditionell zur Herstellung von Flöten verwendet wurde. Inschriften an den Wänden belegen, dass die Höhle bereits während der Tang-Dynastie besucht wurde. Einige stammen aus dem 8. Jahrhundert und zeigen, dass die unterirdischen Räume schon vor mehr als tausend Jahren Reisende anzogen. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Höhle wieder einem breiteren Publikum bekannt; für organisierte Besichtigungen wurde sie 1962 geöffnet.
Entstehung der Höhle
Die Schilfrohrflötenhöhle entstand durch die lang anhaltende Wirkung von Wasser im Kalkstein. Regenwasser mit gelöstem Kohlendioxid löste das Karbonatgestein allmählich auf, erweiterte Risse und schuf unterirdische Hohlräume. Wasser, das durch die Decke sickert, lagert Mineralien ab, aus denen sich hängende Stalaktiten und vom Boden aufwachsende Stalagmiten bilden. An einigen Stellen wachsen sie zu Steinsäulen zusammen. Das Alter der Höhle wird häufig auf etwa 180 Millionen Jahre geschätzt, obwohl einzelne Geländeformen und Mineralablagerungen in unterschiedlichen geologischen Zeiträumen entstanden sein können.
Unterirdische Hallen und Gesteinsformationen
Der Besucherweg führt durch geräumige Hallen und schmale Gänge mit Kalksteinformationen in vielfältigen Formen. Zu den bekanntesten Bereichen gehört der Kristallpalast, in dem zahlreiche Stalaktiten und Säulen den Eindruck eines unterirdischen Palastes vermitteln. Manche Formationen tragen bildhafte Namen, die von Tieren, Pflanzen oder vertrauten Gegenständen inspiriert sind. Sie helfen Besuchern, bekannte Silhouetten in den natürlichen Konturen des Gesteins zu erkennen. Künstliche Beleuchtung hebt die Struktur und Farben der Formationen hervor.
Inschriften an den Wänden
Alte Inschriften, die Besucher an den Höhlenwänden hinterließen, sind von besonderem historischem Wert. Einige enthalten Texte und Gedichte aus der Tang-Zeit. Sie zeigen, dass die Höhle lange vor dem modernen Tourismus bekannt war. Die Inschriften bilden eine Art Chronik der Besuche und tragen zum Verständnis der Kulturgeschichte Guilins bei. Heute interessiert die Höhle sowohl Naturfreunde als auch Menschen, die sich für chinesische Kalligrafie und die Geschichte des Reisens begeistern.
Beleuchtung und Besuchserlebnis
Farbige Leuchten setzen Stalaktiten, Stalagmiten, steinerne Vorhänge und Spiegelungen auf dem Wasser in Szene. Die Beleuchtung erzeugt eindrucksvolle visuelle Effekte, unterscheidet sich jedoch vom natürlichen Erscheinungsbild der Höhle. Der Besucherweg ist für gewöhnliche Touristen ausgelegt und erfordert keine Erfahrung in der Höhlenforschung. Ein Rundgang dauert normalerweise etwa eine Stunde. Im Inneren ist es kühler und feuchter als draußen, daher sind eine leichte Jacke und rutschfeste Schuhe sinnvoll.
Die Höhle und die Karstlandschaft von Guilin
Guilin ist für seine ungewöhnlichen Kalksteinhügel bekannt, die wie einzelne Türme aus Ebenen und Tälern aufragen. Die Landschaft entstand durch Karstprozesse, bei denen Wasser Gestein auflöst und das Gelände allmählich verändert. Die Schilfrohrflötenhöhle ergänzt die berühmte Oberflächenlandschaft um eine unterirdische Welt. Die Karstlandschaften Südchinas sind für den Naturschutz von internationaler Bedeutung; mehrere Teilgebiete des Südchinesischen Karsts gehören zum UNESCO-Welterbe. Die Höhle selbst sollte jedoch nicht automatisch als eigenständige Welterbestätte bezeichnet werden.
Anreise und praktische Hinweise
Die Höhle liegt etwa fünf Kilometer vom Zentrum Guilins entfernt und ist mit dem Taxi, öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Rahmen eines Ausflugs erreichbar. Vor dem Besuch sollten Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Zugangsbedingungen anhand offizieller Tourismusinformationen geprüft werden. Einige Wege können feucht sein, daher empfiehlt sich bequemes Schuhwerk. Berühren Sie keine empfindlichen Mineralformationen und brechen Sie keine Gesteinsstücke ab. Die Schilfrohrflötenhöhle bietet einen Einblick in die unterirdische Karstwelt Guilins und zeigt, wie Wasser den Kalkstein über lange Zeiträume geformt hat.
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